Konstruktionslehre

Einführung

Bauprozess

Wir verstehen unter dem „Bauprozess“ die Summe sämtlicher Planungs-, Projektierungs- und Ausführungsleistungen von der ersten Idee des Bauherrn bis zur Ingebrauchnahme des fertigen Bauwerks.

Bauwerk

Unter dem Begriff „Bauwerk“ werden sämtliche Veränderungen der natürlichen Umwelt oder bereits bestehender baulicher Systeme zusammengefasst, welche durch bewusstes, zielorientiertes menschliches Handeln eingeleitet und bauliche Massnahmen vollzogen werden.

Bauprojekt

Die Entwicklung und Realisierung eines baulichen Systems bezeichnet man als „Bauprojekt“. Ein Bauprojekt (=Bauvorhaben) ist im wesentlichen durch die Einmaligkeit der Bedingungen in ihrer Gesamtheit d.h. insbesondere durch:

  1. Zeitliche, finanzielle, personelle und andere Restriktionen
    (Grundstück, Baugrund, Wirtschaftlichkeit, Finanzierung, etc.)
  2. Eine projektspezifische Organisation (Bauprojektorganisation)
  3. Eine klare Abgrenzung gegenüber anderen Vorhaben

Planung

Planung ist vorausschauendes, systematisches Erkennen und Beschreiben von Handlungsalternativen und Herbeiführen von zielorientierten Entscheiden im Hinblick auf die optimale Verwirklichung der vorgegebenen Ziele. Profesionelle Planung auf allen Stufen und in sämtlichen Phasen des Bauprozesses ist eine zwingende Voraussetzung für den Erfolg eines Bauprozesses.

Die Projektdefinition

  1. Allgemeines
  2. Projektanstoss
  3. Ausgangslage
  4. Projektziele (offene Anforderungen)
  5. Rahmenbedingungen (feste Anforderungen)
  6. Projektbeschrieb
  7. Unsicherheit und Risiken
  8. Organisation
  9. Weiteres Vorgehen

Die Projektdefinition enthält noch keine konkrete Problemlösung, sondern dient als Grundlage für die Projektierung des Bauwerkes.

Projektierungsphasen

Phase 1                  Strategische Planung
                               1.1          Bedürfnisformulierung, Lösungsstrategien

Phase 2                  Vorstudie
                               2.1          Projektdefinition, Machbarkeitsstudie, Pflichtenheft
                               2.2          Auswahlverfahren

Phase 3                  Projektierung
                               3.1          Vorprojekt
                               3.2          Bauprojekt
                               3.3          Bewilligungsverfahren, Auflageprojekt

Phase 4                  Ausschreibung
                               4.1          Ausschreibung, Offertvergleich, Vergabeantrag

Phase 5                  Realisierung
                               5.1          Ausführungsprojekt
                               5.2          Ausführung
                               5.3          Inbetriebnahme, Abschluss

Phase 6                  Bewirtschaftung
                               6.1          Betrieb
                               6.2          Erhaltung

Phase 7                 Sanierung / Abbruch

 

Der Unternehmer

Teilunternehmer (=Einzelunternehmer)

  • Bauunternehmer im klassischen Sinn
  • Vielzahl von Unternehmer errichten ein Bauwerk
    • z.B. Zimmermann
    • Rohbauunternehmer
    • Mahler
    • Elektriker, etc.

Subunternehmer

  • Teilunternehmer kann auch als Subunternehmer auftreten (Auftrag nicht direkt vom Bauherr, sondern vom Unternehmer)

Der Bauherr hat mit dem Subunternehmer keinen Vertrag!

Generalunternehmer

  • Grosse Bauwerke
  • Vergabe sämtlicher Arbeiten an Unternehmer = Generalunternehmer
  • haben oft Subunternehmer

Anstatt mehrerer Teilunternehmer hat "man" einen Generalunternehmer.

Totalunternehmer

  • Neben Ausführungsleistungen (bauen) auch sämtliche Projektierungsaufgaben (planen)
  • evtl. auch die Projektfinanzierung

Baugespann und Markierung

Einsprache kann jedermann erheben, der nachweisen kann, dass seine Rechte verletzt werden oder dass das Bauwerk schwerwiegende Nachteile für Umwelt und Nachbarn zur Folge hat.

Der Bauherr ist gesetzlich verpflichtet, mittels Gerüsten die genaue Lage und die Dimensionierung seines geplanten Bauwerks sichtbar zu machen.

Das Baugespann darf nicht abgebrochen werden, bevor die Baubewilligung erteilt ist.

Im Tiefbau muss man sich im Allgemeinen auf eine blosse Markierung beschränken.

Terrainaufnahme

Sie dient der Erfassung der genauen Höhenlage des Baugeländes. Terrainhöhen zwischen zwei gemessenen Punkten werden durch Interpolation gerechnet. Der Höhenunterschied zweier Höhenkurven ist die Äquidistanz.

Bauplatzinstallation

Unter der Bauplatzinstallation versteht man die Anordnung der Lagerplätze, welche Sache des Bauunternehmers ist.

Bei der Disposition ist zu beachten:

  • Zufahrt zur Baustelle
  • Werk- und Lagerplätze
  • Krananlage
  • Baustrasse
  • Betonieranlage
  • Baracken und Magazine
  • Deponieplätze
  • Zimmerei
  • Sanitäre Anlage

Absteckung

Die Fassadenfluchten, die Achsen einer Strasse oder eines Kanals müssen genau eingemessen werden. Die Fixierung dieser Grundelemente auf der Baustelle nennt man Absteckung.

Hochbau

Am Schnurgerüst werden Lage und Umrisse des Neubaues eingemessen. Dazu gehören:

  • Lage des Bauobjektes in der Parzelle
  • Länge, Breite, Vorsprünge des Kellers, meist auch des EG's
  • Höhenkoten (± 0.0 Kote →meist EG)

Tiefbau

Unter Profilierung versteht man die Absteckung von Höhe, Breite und Gefälle der Strasse, sowie die Neigung der Böschung.

Baugrund

Bei der Beurteilung der Eignung von Bodenmaterial als Baugrund unterscheidet man Felsböden, nicht bindige Böden, bindige Böden, organische Böden, Auffüllungen.

Felsböden

→ausserordentlich Belastbar →ausgezeichneter Baugrund

Kalkstein, Granit, Gneis, Sandstein
bei Bims oder Sandstein ist auf die Frosttiefe zu achten.

nichtbindige Böden = rollige Böden

Merkmale nichtbindiger Böden sind:

  • Grobes Material : zur Hauptsache Geröll, Kies, Sand wenig Silt
  • Gute Wasserdurchlässigkeit
  • Enthält weder Ton- noch Lehmmaterial
  • Korngrösse liegt über 0.02mm
  • Je grobkörniger das Material, desto höher die Tragfähigkeit
  • Guter bis sehr guter Baugrund

Geröll (Steine, Blöcke), Kies, Sand und Silt (mehlfeiner Sand)

bindige Böden

Bindige Böden sind Problemböden!

Merkmale bindiger Böden sind:

  • feines Material : zur Hauptsache Feinsand, Silt, Ton
  • nur wenig mit Grobmaterial durchsetzt
  • schlecht Wasserdurchlässig
  • Korngrösse kleiner als 0.02mm
  • je feinkörniger das Material, desto geringer die Tragfähigkeit
  • mässig bis ungenügender Baugrund

Ton, Lehm, Mergel

organische Böden

Sie entstehen durch Verwesung und Verfaulung von tierischen und pflanzlichen Stoffen.

  •  
Humus
:
nährstoff- und sauerstoffreich
 
MUSS GESCHÜTZT WERDEN!
  •   
Torf
:
wassersaugend und stark komprimierbar
  •  
Schlamm
:
Zerstörungsprodukt von Pflanzen und Tieren
  •   
Seekreide
:
hoher Kalkgehalt, nicht belastbar

Als Baugrund sind organische Böden völlig unbrauchbar!

Auffüllungen

Verdichtungsfähig sind nur nichtbindige Böden. Augenmerk darauf legen ob die Verdichtung gleichmässig und bis in genügende Tiefe gemacht wurde.

→schlechter bis mässiger Baugrund

Wasser im Boden

Das Wasser im Boden verändert die physikalischen Eigenschaften des Baugrundes entscheidend.

Regenwasserkann grossen Druck auf Baugrubensicherung und Kellerwände ausüben in undurchlässigen Bodenformationen.

Weil das Grundwasser Lieferant für einen grossen Teil unseres Trinkwassers ist, kommt dem Schutz der Grundwasserseen und -ströme grosse Bedeutung zu. Weil die Absenkung des Grundwassers ein gewachsenes ökologisches System stark beeinträchtigt, ist sie nur zulässig, wenn andere Methoden nicht zum Erfolg führen können.

Frost im Baugrund

Wenn Wasser gefriert vergrössert es sein Volumen um ca. 9%. Es entstehen Schäden am Bauwerk aus zwei Gründen:

  • Hebung und Vergrösserung des Erdreiches bei Frost
  • Senkung oder Rutschung bei Tauwetter durch den grösseren Wassergehalt im Boden.

Geringe Frostgefahr bei wasserduchlässigen, nichtbindigen Böden.

Hohe Frostgefahr bei wasserundurchlässigen, bindigen Böden.

Baugrunduntersuchung

Die Baugrunduntersuchung bringt Angaben über:

  • Tragfähigkeit des Bodens
  • Art und Beschaffenheit des Bodenmaterials
  • Lage und Stärke der einzelnen Bodenschichten
  • Hydrologische Verhältnisse (Wassergehalt, Grundwasser)

Folgende Methoden kann man unterscheiden:

Voruntersuchung

geschieht ohne technische Hilfsmittel

Baggerschlitz

  • Tiefe bis 2m, seitlich abgeböscht oder gespriesst
  • sollte an den Stellen mit der grössten erwarteten Belastung ausgehoben werden
  • liefert nur Erkenntnisse über die oberen Schichten

Bohrungen ( = Sondierbohrung)

häufigsten praktizierte Methode

Verrohrte Bohrungen

Das übliche Verfahren, anwendbar bei fast allen Böden

Die Bohrtechnik hängt ab vom anstehenden Material, das durchfahren werden soll. Beispiele sind:

  • Rotationsbohrung
  • Schlagbohrung

unverrohrte Bohrung

eignet sich bei eher geringer Bohrtiefe im kompakten Felsmaterial, wenn keine Einsturzgefahr des Bohrlochs besteht.

Bodenproben

Wichtige Merkmale sind nicht eindeutig, weil das feine Gefüge des Materials gestört wird.

Nach der Art der gewonnenen Probe unterscheidet man:

  1. ungestörte Bodenprobe
    ohne jede Erschütterung dem Boden entnommen
  2. gestörte Bodenprobe

Nach der Entnahme sind die Proben gegen Austrocknen und Auflockerung zu schützen.

Sondierung

Sonden sind Stäbe, die man gleichmässig in den Boden eindrückt oder eintreibt.

Man erhält Angaben über Lagerungsdichte, Zustandsform, Zusammendrückbarkeit und Scherfestigkeit.

Besonders klar lassen sich Schichtgrenzen, Hohlräume und Felsadern im Untergrund ermitteln.

Man unterscheidet nach der Eintreibvorrichtung:

  1. Rammsondierung
    billiger und wesentlich weniger aufwendig als die Bohrung
  2. Drucksondierung
    an der Sondenspitze wird der Widerstand gemessen

Geophysikalische Bodenuntersuchungen

Man gewinnt Erkenntnisse über die Art, Schichtung, das elastische Verhalten und die Festigkeit des Bodens.

  1. Seismische Bodenuntersuchung
    Die entstandenen Erschütterungen einer Sprengung werden mit dem Seismograph gemessen
  2. Dynamische Bodenuntersuchung
    Der Boden wird in Schwingung gebracht, der dann gemessen wird (Fortpflanzungsgeschwindigkeit)
  3. Bodenelektrische Untersuchungen
    Es wird der elektrische Widerstand des Bodens gemessen.

Probebelastung

Die Probebelastung ist geeignet für das Messen der Tragfähigkeit an einer ganz bestimmten Stelle.
Sie ist geeignet für Pfahlfundationen oder stark belasteten Einzelfundamenten, ist aber bei bindigen Böden nicht einsetzbar!

Böschungswinkel

 

Humusarbeiten

Humus muss mit grösster Sorgfalt behandelt werden:

  • Schützen vor Verunreinigungen (auf Baustelle vor allem vor Betonresten, Mörtel, Abbruchmaterial)
  • Nicht belasten
  • Nicht höher als 1.5m aufschütten, damit die Sauerstoffzufuhr gewährleistet bleibt.
  • Nicht zu lange lagern, der Humus wird sauer und unbrauchbar

Aushub der Baugrube

Die Grundfläche des Aushubs muss allseitig 50-80cm grösser sein als die Kellerumfassungen. Dieser Arbeitsraum dient den Nachfolgenden Arbeiten:

  • Ein- und Ausschalen der Wände
  • Filterplatten oder Sicherpackung
  • Sickerleitung

Auflockerung

Fels- und Erdmaterial werden durch die Aushubarbeiten aufgelockert. Der Auflockerungswert wird in % angegeben.
 

z.B.
Humus, locker
10%
 
Humus, schwer
5 – 20%
 
etc.
 

Setzmass

Der Wert des Setzmasses hängt von folgenden Faktoren ab:

  • Art des Aushubmaterials
  • Schutthöhe
  • Befahren oder Belasten der Deponie
  • Einschwemmwirkung von Wasser
  • Lagerzeit

Grundsätzlich wird sich Aushubmaterial umso weniger setzen, je dichter und fester es vor dem Aushub war. Verdichtet wird maschinell mit Stampfern, Rüttlern, Walzen und Tiefenvibratoren.

Maschinen für den Baugrubenaushub

Die Auswahl eines bestimmten Aushubgerätes wird bestimmt durch:

  • Die Bodenart
  • Die Aushubleistung des Gerätes
  • Die Transportdistanz
  • Platzverhältnisse auf der Baustelle

Die Erdbaugeräte übernehmen verschiedene Aufgaben:

  • Schürfen der Bodenoberfläche
  • Ausheben von Gruben oder Gräben
  • Transport von Aushubmaterial

Geräte zum Schürfen:

  • Bulldozer
  • Ladeschaufler (Trax)
  • Motorgrader (Strassenhobel)

Geräte zum Ausheben:

  • Greifbagger
  • Schleppkübel
  • Tieflöffelbagger
  • Hochlöffelbagger
  • Teleskopbagger
  • Grabenfräse

--> gemeinsame Merkmale:

  • Raupen- oder Pneufahrzeug
  • Drehbare Kabine (360°)
  • Ausleger mit verschiedenen Bewegungsmöglichkeiten

Maschinen für den Transport:

  • Kipper
  • Dumper
  • Scraper mit Förderband
  • Lastwagen
  • Lastanhänger mit Kippvorrichtung (vorwiegend im Strassenbau angewendet)

 

Baugruben

Eine Baugrube muss so erstellt werden, dass ein sicheres bauen aller vorgesehenen Bauteile gewährleistet ist. Die unfallfreie Durchführung von Bauarbeiten in der Baugrube erfordert:

  • geeigneten Abschluss und Schutz des Arbeitsraumes
  • genügend Abstützung gegen seitliche Krafteinwirkung (Erd- und Wasserdruck)
  • verhindern von Wasserandrang

Baugrubenarten:

  • Baugrube mit Böschung
    • genügend Platz
    • gutes Bodenmaterial vorhanden
    • kein Grundwasser vorhanden

 

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  1. Baugrube mit Abschluss
    àAnwenden falls:
  2. beschränkte Platzverhältnisse
  3. schlechter Baugrund vorhanden
  4. Grundwasser vorhanden

 

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Baubruben mit Böschungen

  • am konstengünstigsten
    • keine Arbeitsbehinderung durch Spriessungen

Folgende Möglichkeiten zum Schutz der Baugrube vor Ausspülung mit Regenwasser stehen im Vordergrund:

  • Abdeckung mit Plastikfolie
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  • Aufbringen von Mörtelschicht
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  • Einbau einer Geröllschicht
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  • Erstellen von Bermen
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Anzeichen von drohenden Böschungs-Einstürzen sind:

  • aufquellen des Bodenmaterials
    • aus der Böschung fliessendes Wasser

Deformationen von Böschungen können auf einfache Art festgestellt werden:

Auf der Böschungskrone werden Rundeisen oder Dachlatten auf einer Linie senkrecht (in einer Flucht) in den Boden getrieben. Weichen die Eisen / Latten von der Flucht ab, so sind Bewegungen der Böschung im Gange.

Dagegen helfen folgende Massnahmen:

  • Beschwerung des Böschungsfusses
    • Einbau von Stützriegeln (Schlitze in Böschung, gefüllt mit Filterbeton)

Baugruben mit Abschluss

Spundwände

Spundwände sind aus Stahlprofilen zusammengesetzt, welche durch „Schlösser“ miteinander verbunden sind.

Folgende Profile werden verwendet:

  • Kanaldielen
    • für kleinere Baugruben bis 4m Tiefe (Schachtbau bis 5.5m)
    • für Grabenbau
    • für Baugruben ohne Wasserandrang
  • Leichtprofile
    • Bis 6m lang
    • Eingesetzt bei geringem Wasserandrang
  • Verbauprofile Larssen
    • Bevorzugte Profile für Spundwände
    • Eingesetzt bei Wasserandrang

 

Spundwände sind mehr oder weniger wasserdicht und verhindern das Einschwemmen von Bodenmaterial in die Baugrube. Mögliche undichte Stellen werden mit Bleifäden oder PU-Schaum abgedichtet. Will man Baugrubeneinstürze verhindern, so müssen die Spundwandprofile genügend tief in den Boden gerammt werden:

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Guter Baugrund: t = (0.5 -1) * h

Schlechter Baugrund: t = (1.5-2) * h

Der Bau von Spundwänden ist sehr beliebt, weil grosse Tiefen erstellt werden können (bis 30m), lösen nur geringe Erschütterungen beim Einrammen in unmittelbarer Nähe aus, haben eine hohe Festigkeit (entsprechend den Stahleigenschaften) und die Spundwand ist mehrmals brauchbar, was Kosten spart.

Rühlwände

Aufbau einer Rühlwand:

(Rühlwände werden vor allem in trockenem Baugrund eingesetzt.)

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Die Rühlwand wird Etappenweise von oben nach unten erstellt. Je nach Tiefe der Baugrube und Qualität des Baugrundes müssen Rühlwände zusätzlich abgestützt werden.

Zwei Möglichkeiten stehen im Vordergrund:

  • Einsatz von Zugankern
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  • Einbau von Abstützungen
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Verankerte Elementwände

Dieser Baugrubenabschluss wird ähnlich erstellt wie die Rühlwand. Die senkrechten Träger werden jedoch weggelassen und die einzelnen Wandelemente werden verankert. Die Elemente können vor Ort betoniert oder im Werk vorfabriziert werden. Ein sinnvoller Einsatz der rückverankerten Wand ist gegeben, wenn Elementgrössen von ca. 6 bis 10m2 möglich sind. Der Arbeitsvorgang erfolgt auch hier von oben nach unten.

Schlitzwände

Schlitzwände gehören zu den teuersten Baugrubensicherungen.
Entsprechend fallen ihre Vorteile ins Gewicht:

  • Sie kann als tragendes Bauteil ins fertige Bauwerk einbezogen werden
  • Sie weist eine grosse Stabilität auf, im angrenzenden Boden finden keine Bewegungen (Setzungen) statt
  • Wasserdichte Ausführung ist auch bei schwierigsten Bodenverhältnissen möglich
  • Erstellung sehr nahe an bestehenden Bauten möglich
  • Massive Wandstärken (40 bis 140cm) bis in grosse Tiefen ausführbar

Die Erstellung von Schlitzwänden ist ohne Spriessung durchführbar. Man behilft sich dabei einer Stützflüssigkeit. Diese besteht aus Wasser vermischt mit 2-10% Bentonit. Bentonite sind pulverförmige Tonmineralien vulkanischer Herkunft. Das Pulver hat die Eigenschaft im Wasser bis zum 10-fachen seines Trockenvolumens aufzuquellen. Die Wasser-Bentonit-Suspension ist im bewegten Zustand flüssig. Ist sie hingegen in Ruhe, so bildet sich eine gallertartige Masse, welche stützend wirkt und verhindert, dass die Wände des Schlitzes einstürzen.

Pfahlwände

Vorteile von Pfahlwänden:

  • Vielfach können sie als künftiges Bauteil ins entstehende Bauwerk eingegliedert werden.
  • Sie können praktisch in jedem Baugrund eingesetzt werden
  • Ihre Erstellung verursacht keine grossen Lärmimmissionen

Nachteile von Pfahlwänden:

  • Benötigt viel Zeit zum Erstellen der Wand
  • Verursachen sehr hohe Kosten

Bei Pfahlwänden werden Pfähle mit kreisrundem Querschnitt ausgeführt. Man unterscheidet:

  • Offene Pfahlwände
    werden in trockenem Baugrund angewendet
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  • Geschlossene Pfahlwände
    Die geschlossenen Pfahlwände werden in zwei Varianten ausgeführt:
    • Tangentialwände
      Wasserdichtigkeit spielt eine untergeordnete Rolle, die Pfähle werden direkt nebeneinander aufgereiht, falls Anker notwendig sind, werden diese in den Fugen angeordnet.
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    • Sekantenwände
      Wasserdicht, die einzelnen Pfähle überschneiden sich. Jeder zweite Pfahl wird ohne Bewehrung erstellt und angebohrt. Eine nötige Verankerung erfolgt mittels Einbau von Longarinen und dem Verlegen von Ankern durch die unbewehrten Pfähle.
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Senkbrunnen

Ein eher aussergewöhnlicher Baugrubenabschluss, benötigt:

  • einen gleichmässigen homogen zusammengesetzten Baugrund
  • der Boden muss hindernisfrei sein

Die Methode gestattet den völligen Verzicht von Ausspriessungen in der Baugrube. Vorsicht, die gesamte Vorrichtung muss vertikal in den Boden versetzt werden.
Kann auch im grundwasserhaltigen Baugrund durchgeführt werden (Vorsicht -> Auftrieb).

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Bodenvernagelung

Kommt im Lockergestein ohne Grundwasser zur Anwendung. Im feinkörnigen Boden mit hohem Wassergehalt wird die Methode nicht eingesetzt.

Die Bodenvernagelung kommt vor allem bei kurzfristigen Projekten zum Einsatz, deren Dauer nicht grösser als etwa ein Jahr ist.

Arbeitsschritte:

Schritt 1:

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Der Boden muss kurzfristig 1,2 – 1,5 m standfest sein.

Schritt 2:

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Netz verlegen und Spritzbeton aufbringen (ca. 15cm)

Schritt 3:

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Vernageln: Die Bodennägel werden mit Zementmörtel verpresst.

Schritt 4:

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Sobald die Bodennägel der ersten Etappe wirksam sind, wird die zweite Etappe ausgehoben.

Grabensicherung

Arten der Grabensicherung:

  • ungespriesste Gräben mit Böschung
  • gespriesste Gräben
  • Spundwände, Stahlverbau

In erster Linie muss die Sicherheit der Arbeiter gewährleistet sein. Sie hat Vorrang vor allen anderen Überlegungen.

Graben mit Böschungen

Grabenformen:

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Ungespriesste Gräben

Die einfachste Grabenform für kleine Gräben ist der U-Graben, welcher maschinell oder von Hand ausgehoben werden kann.

Spriessugen sind nicht nötig bis zu einer maximalen Tiefe von:

--> 1,2m im rolligen Baugrund

--> 1,5m im standfesten Material

V-Gräben dürfen nie gespriesst werden. Sie sind sehr kostengünstig.

Gespriesste Gräben

Aufbau von Spriessungen:

Jede Spriessung besteht aus drei Elementen, die aus Holz oder Stahl angefertigt sind.

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Unfallverhütung im Grabenbau

Die wichtigsten Regeln und Vorschriften sind in der „Verordnung über die Unfallverhütung beim Grabenbau und Schachtbau sowie bei ähnlichen Arbeiten“ (herausgegeben von der SUVA) zusammengestellt:

  • Es müssen alle Massnahmen getroffen werden, um die Sicherheit der Arbeiter zu gewährleisten.
  • Abgase von Explosionsmotoren in Gräben sind über den Rand hinaus abzuleiten.
  • Vor allen Aushubarbeiten muss die Lage allfälliger Leitungen abgeklärt, angezeichnet und sondiert werden.
  • Sprengarbeiten dürfen nur von Personen ausgeführt werden, die im Besitz eines Sprengausweises sind.
  • In Gräben über 4m Tiefe müssen Helme getragen werden. Besser ist, wenn im Arbeitsbereich von Baggern und in Gräben ab 1,5m Tiefe immer Helme getragen werden.
  • Hohlräume hinter Spriessungen sind mit geeignetem Aushubmaterial, Schwemmsand oder Wandkies aufzufüllen.
  • Trotz gefrorenem Material müssen die Böschungsneigungen und Spriessungsvorschriften gemäss „Grabenverordnung“ eingehalten werden.
  • Stege über Gräben müssen 60cm breit sein und ab 2m Grabentiefe mit Geländer und evtl. mit Bordbrett versehen sein.
  • Gräben welche über 2m tief sind, dürfen nur über Leitern bestiegen werden. Die Leitern sollten dabei 1m über die Grabenwand hinaus ragen.
  • Gräben in standfestem Baugrund, die über 1,5m tief sind und Gräben welche in wenig standfestem Baugrund über 1,2m tief sind, müssen vom Grabenrand bis 80cm über Grabensohle immer fachgerecht verspriesst sein.
  • Böschungsneigungen sind immer dem Material und möglichen, negativen Einflüssen anzupassen. In der Regel beträgt das Böschungsverhältnis 1:1 oder 3:2. Auf jeden Fall sind die Böschungsneigungen so zu wählen, dass die Standsicherheit über die ganze Bauzeit gewährleistet ist.
  • Die Spriessung ist nach Abschluss der Grabenarbeiten so zu entfernen, dass die Standsicherheit des Grabens jederzeit bestehen bleibt.
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